Wizards & Warriors


von Chancell
30.01.2003

Kraftstrotzend, sein Schwert um sich schwingend, gegen eine Horde dämonisch anmutender Orks kämpfend - Zuallererst besticht das von Acclaim vertriebene NES-Modul durch sein reißerisch aufgemachtes, dem Trend der Fantasy-Games der späten 80er folgendem Cover. Entwickelt wurde das storystrukturell sehr an Fantasy-Reihen wie "Conan - Der Barbar" erinnernde Jump 'n' Run vom damaligen US-amerikanischen Ableger der englischen Erfolgsschmiede Rare. Der Plot des Spiels überragt nicht sonderlich durch Originalität: Ein finsterer Dämon terrorisiert ein Mittelerde-ähnliches größeres märchenhafte Land voller Burgen, dunkler Wälder und finsterer Höhlen. Überall im einst blühendem Land hat er mithilfe seiner Schergen, welche in Form einiger Endgegner im Spiel vertreten sind, die Macht an sich gerissen. Zudem hat er die verschiedenen Eigentümer der Burg, vornehmlich junge Prinzessinnen in deren eigenes Verlies gekettet. Nun ist es dem Spieler zur Aufgabe gemacht, in der Haut eines jungen tapferen Ritters jene Pläne wieder rückgängig zu machen.

Dramaturgisch in ihren Hintergrundgeschichten konnten Videospiele im allgemeinen in den wenigsten Fällen wirklich überzeugen. Allerdings ist sie an sich nicht ausschlaggebend, sondern vielmehr, wie sie dem Spieler erzählt wird: Auf den ersten Blick erinnert das 1987 entwickelte Spiel ein ganz klein wenig an den Nintendo-Klassiker "Metroid". Springend, sich um seine Fähigkeiten erweiternd und Gegner eliminierend turnt ihr mit eurem Protagonisten durch die verschiedenen jeweils thematisch unterteilten Locations. Beispiels weise gibt es eine Höhle welche sich komplett den Elementen, sei es Feuer, Wasser oder Eis verschrieben hat. Außerdem gilt es noch diverse Außenlevel sowie ein größeres Schloss erfolgreich zu absolvieren.

Innerhalb der jeweiligen Level ist es dem Spieler zur Aufgabe gestellt eine bestimmte Anzahl an pinken High-Score-relevanten Kristallen zu sammeln, um den nächsten Part des Spiels erfolgreich betreten zu können. Zudem gibt es in den zumeist sehr düsteren Szenarien eine ganzer Reihe Gegenstände einzusammeln, einige sorgen beispielweise für kurze Unverwundbarkeit andere bieten die Möglichkeit sein Schwert als Bumerang fungieren zu lassen. Ein besonderes Feature stellen die magischen Stiefel dar, welche es dem Helden ermöglichen für einen kurzen Zeitraum durch die Luft zu schweben. Die Gegner, welche sich hauptsächlich in den Bereich übergroßer Insekten einordnen lassen, lassen sich meist bereits durch eine einfache leichte Berührung mit der Schwertspitze aus dem Bildschirm befördern. Als ein wenig ärgerlich gestaltet sich allerdings das überdimensionale Gegneraufkommen, die Engine generiert ständig neue zuvor oftmals besiegte Gegner im Sekundentakt, so das in einigen Fällen die Metzelorgie von gelegentlichen Rucklern und Grafikflackern unterbrochen wird. Nach ein wenig mehr kämpferischem Anspruch verlangt es allerdings bei den Endgegnern, zu welchen unter anderem ein umherspringender Totenschädel und eine Fledermaus zählen. Ausgerichtet auf bestimmte Bewegungsmuster verlangen sie dem Spieler einiges an Padbeherrschung ab.

Untermalt wird das actionorientierte Jump 'n' Run Erlebnis von einem stimmungsvollen, den Charme des spielerischen Gesamtbildes einfangenden, Soundtrack. Jede Stage bietet ihre eigene individuelle, in den meisten Fällen sehr ansprechend-mitreißende Komposition. Grafisch spielt die Cartridge eher im 8-Bit-Mittelfeld, lässt sich am ehesten mit Spielen wie "Teenage Mutant Hero Turtles" oder "Power Blade" vergleichen. Animationstechnisch kann das Spiel allerdings sehr wohl überzeugen, zwar verfügt der Fantasy-Held genauso wie seine Gegner nur über wenig Animationsphasen, allerdings gehen jene sofern nicht durch überhöhtes Gegneraufkommen beeinträchtigt in den wenigsten Fällen in die Knie.

Mit drei Leben ausgestattet begibt man sich so durch die märchenhaften Landschaften und sammelt Schlüssel, knackt verschiedene Schatzkisten und sammelt Edelsteine. Zwischendurch von heftigen Gegnerscharmützeln unterbrochen weiß das Spiel durchaus mit einen mehr als soliden Unterhaltungswert aufzuwarten. Allerdings bietet das Spiel mehrere kleine Knackpunkte, die man als eingestandener Fantasy-Fan aber getrost übersehen kann: Zum ersten stören das oftmalige Ruckeln den flüssigen Spielablauf, außerdem wiederholt der NES-Soundchip, sobald sich die Lebensenergie des Jünglings dem Ende nähert ein penetrant-monotone Melodie, welche oftmals noch frustrierender ist, als die tatsächliche Menge der noch vorhandenen Lebenskraft. Neben den kleinen Unregelmäßigkeiten in der Levelarchitektur und der fehlenden Batterie weiß das Spiel aber dennoch als eine überdurchschnittlich-gute Mixtur aus Action, einfacheren Rätseln und einer atmosphärischen, im späteren Spielverlauf fantastisch anmutende Landschaft zu überzeugen. NES-Freunde die bereits einen der "Wizards & Warriors"-Nachfolger oder "Metroid" in ihrem Schrank archiviert haben, können sich diese Rare-Produktion ruhigen Gewissens näher anschauen.


Wertung


7/10

Kommentare



Chancell
Literweise Cola, zittrige schwitzende Hände und tränende Augen - diese Begriffe assoziiere ich wohl am ehesten mit "Wizards & Warriors". Wer auch nur ein kleines Faible für Fantasy aufweisen kann und die beiden Zelda-Teile bereits mehrere Male erfolgreich durchlebt hat, wird mit der Rare Coin-It Produktion bestens bedient sein. Allerdings lässt sich das Modul am besten mit einem Big Mac vergleichen: Reinbeißen, satt sein und nach einiger Zeit nach mehr verlangen. Aufgrund des relativ geringen Umfangs und den kleineren Schnitzern im Design mangelt es der Cartridge an einigen Fähigkeiten, welche das Spiel auf die Stufe der All-Time-Classics befördert hätten. Dennoch spricht neben dem grundsoliden Gameplay auch der Sound des Moduls für einen Kauf - Ohrwurmverdächtig ;-)