Duck Tales


von Chancell
07.03.2002

1989, kurz nachdem Capcom sich die enorm lukrative Disney-Lizenz zur tempogeladenen TV-Zeichentrickserie Duck Tales gesichert hatte, begannen die fleißigen Japaner mit der Umsetzung des Serienkonzepts auf interaktiver Basis. Die Serie Duck Tales, welche in Deutschland erstmals im Rahmen des Disney-Clubs auf RTL Plus anfangs der 90er-Jahre ausgestrahlt wurde, bietet reichlich abenteuerlichen Stoff für ein zünftiges Videospielspektakel. Die Serie um bekannte Comicgrößen wie Dagobert Duck, Quak der Bruchpilot oder die drei Neffen Tick, Trick und Track, welche international bis heute eine recht üppige und minderjährige Fan-Schar um sich hat, trieb es sogar bis zu einem Kinofilm ("Ducktales - Jäger der verlorenen Lampe"). Filmkenner werden dem Titel sofort die Anspielung auf den ersten "Indiana Jones" Film entnehmen und genau als solche sieht sich auch die Serie. Die amerikanischen Disney-Studios griffen frei nach dem Motto "Lieber gut geklaut, als schlecht selbst erfunden" auf Steven Spielbergs Archäologen-Saga zurück und nutzten den Stoff für die TV-Serie rund um die bekannten Charaktere des Disney-Zeichners Carl Barks. Nach dem unglaublichen Erfolg des Nintendo-Hits "Super Mario Bros." lag nichts näher als ein entsprechendes Jump 'n' Run zu produzieren. Und genau nach diesem Prinzip arbeitete Capcom bei Ducktales...

Vorweg ein wenig zur Story: Dagobert erfährt von fünf verschiedenen Schätzen in Form von Statuen, welche über die ganze Welt verteilt sind. Entschlossen macht er es sich es zur Aufgabe jene fünf Artefakte ausfindig zu machen und sie seiner Glasvitrine beizufügen. Begleitet wird er auf seinem Abenteuer rund um den Globus von Donald Ducks drei cleveren Neffen Tick, Trick und Track, der reizenden Nicky und dem vom Pech verfolgten Bruchpiloten Quak. Leider, wie es sich für einen spannenden Hollywoodreifen Plot gehört, werden unsere Protagonisten nicht breitwillig an die Schätze herangeführt, denn die verschrobenen Panzerknacker sind ebenfalls heiß auf die wertvollen Museumsstücke und so kommt es des öfteren zu Konfliktsituationen.

Sobald der erwartungsvolle 8-Bit-Freund das Ducktales-Modul in seinem NES versenkt hat, bietet das Spiel die Möglichkeit zwischen drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu wählen. Während der EASY-Modus von erfahrenen Jump 'n' Run Jüngern innerhalb weniger Stunden geknackt werden dürfte, bietet die schwierigste Stufe selbst eingefleischten Hüpf-Profis so manche Frust-Situation. Neben dem tollen, aus der Fernsehserie übernommenen, Soundtrack präsentiert sich das Spiel in einem grafisch recht überdurchschnittlichen Gewand. Beginnend am überladenen Schreibtisch des Entenhausener Multimillionärs hat der Spieler von vornherein Zugriff auf alle fünf Stages des Spiels. Nach jedem abgeschlossenen Level kehrt die Enten-Gang wieder zurück in Bertels Büro um den aktuellen Kontostand sowie die Anzahl der gesammelten Artefakte in Augenschein zu nehmen. Die Darstellung des Kontostandes verdient einen besonderen Betrachtungswinkel, da es prinzipiell eine High-Score-Tabelle darstellt. Seine Millionen häuft der Spieler in einem der fünf Level an, welche er dank Bruchpilot Quak mehrmals verlassen und betreten kann und so Diamanten oder andere Konto-relevante Gegenstände mehrmals einsammeln kann.

Vom Gameplay her hebt sich die Cartridge in punkto Levelstrukturierung gegenüber konventioneller Jump 'n' Run Software sehr ab - während man den Helden in üblichen Hüpfspielen durch geschicktes Manövrieren sicher ans Levelende bringen muss, gilt es in Ducktales mehrere Aufgaben und Rätsel zu lösen. Beispielsweise verlangt eine moosüberwucherte Inka-Statue im dichten Amazonas-Dschungel 3 Millionen Diamanten von Bertel, im Gegenzug gewährt sie ihm aber Zugang zu einem Tempel, in welchem es den ersten der fünf Schätze zu sammeln gilt. In einem anderen Fall sucht der Spieler nach einem mysteriösen grünen Schlüssel, welcher ihm Zugang zu einem notgelandeten UFO gewährt. Maximal kann Dagobert zwei Items mit sich führen, welche es an mehreren schwer zugänglichen Stellen in den Stages aufzusammeln gilt. Ausgestattet mit einem Spazierstock schwingt sich die rüstige Ente über stolpernde Urwald-Affen oder schleimige Außerirdische hinweg. Neben dem breiten Panorama an zugänglichen Welten, welches sich unter anderem aus einem gruseligen Schloss á la "Castlevania" oder einer afrikanischen Goldmine zusammensetzt, bietet das lustige Spiel eine breite Vielfalt an hervorragend animierten Gegnertypen. Ob eine surrende Biene im südamerikanischen Dschungel oder eine stachelübersäte Steinkugel im Kellergewölbe des schaurigen Anwesens - Capcom fügte dem Modul so ziemlich jeden Bösewicht bei, welcher in irgend einer Weise schon einmal in der betagten Disneyserie vertreten war.

Animationstechnisch können alle Charaktere im Spiel restlos überzeugen. Besonders gelungen, auch wenn sie ein wenig einfach zu besiegen sind, gestalten sich die Hüter der Schätze oder einfacher gesagt, die Endgegner der verschiedenen Welten. Jeder der fünf Fieslinge verfügt über ein differenziertes Angriffsmuster, welches der Spieler erst einmal durchschauen muss. Auch die soundtechnische Untermalung präsentiert sich in einem überdurchschnittlich netten Rahmen, hebt sich aber nicht sonderlich von der Masse ab. Neben einfach fröhlichen Mitpfeif-Songs existieren noch zahlreiche abwechslungsreiche Nebengeräusche.

Fazit: Capcom inszenierte mit Duck Tales einen mehr als soliden Lizenztitel. Sowohl in technischer Hinsicht gibt es, abgesehen von einem zum Teil recht ruckeligen Scrolling, nichts zu kritisieren. Die zahlreichen Déjà-Vu Effekte mit den lustig animierten Cartoon-Figuren lassen die Herzen der Disney-Fans und Comicfreunde gleichermaßen höher schlagen. Neben der originellen Aufgabenstellung wartet das Modul zudem mit einem hervorragenden Abspann auf. Leider erblickt man genau diesen viel zu schnell, denn nach zirka zwei bis drei Stunden hat man die fünf Levels restlos umgekrempelt. Trotz alledem stellt der Entenhüpfer einen mehr als soliden Vertreter des Jump 'n' Run Genres dar und besonders Fans der TV-Serie könnten sich eine Anschaffung des Moduls durch den Kopf gehen lassen.


Wertung


8/10

Kommentare



Chancell
Trotz Innovationsarmut ist mir dieser Titel aufgrund seiner herrlichen Disney-Atmosphäre ans Herz gewachsen. Schon damals war ich ausdauernder Zuschauer der tempogeladenen TV-Serie, so freue ich mich bei diesem Modul immer wieder, wenn ich im Titelbild das fetzige Duck Tales Thema höre oder im späteren Verlauf mit Knauser Bertel durch die verschneiten Gipfel des Himalajas hüpfen darf. Obwohl es gerade im ausgeschlachteten Jump 'n' Run Genre weitaus hochwertigere Alternativen gibt, besitzt dieser Titel seinen eigenen individuellen Charme, dem sich kein comicliebender NES-User entziehen sollte.



Kuros
Duck Tales ist ein wirklich gut umgesetztes Lizenzspiel (ist ja schließlich auch von Capcom). Was mir neben der aufwendigen Grafik sonst noch gefällt, ist besonders die Hintergrundmusik. Aber auch die vielen Geheimgänge, die sich einem aufmerksamen Spieler offenbaren, werden immer mit den begehrten Juwelen oder einem Extaleben belohnt. Somit konnte mich das Spiel lange Zeit an den Controller fesseln, weil sich damals in mir eine regelrechte Sammlersucht auftürmte. Nicht zu vergessen sind auch die kleinen Feinheiten im Spiel: Beispielsweise bleibt Onkel Dagobert bei dem Versuch, mit dem Pogosprung über die Schnee zu hüpfen, einfach stecken. Solche Kleinigkeiten verdienen bei mir immer große Aufmerksamkeit, weshalb ich auch den geringen Spielumfang nicht ganz so tragisch sehe.



Phil
Capcom ist mit Duck Tales zwar nicht gerade ein Megahit gelungen, dennoch lässt sich der Titel gut spielen. Von der Technik her erinnert das Spiel ein wenig an die Mega Man Reihe, jedoch ist der Schwierigkeitsgrad auf einem sehr viel geringerem Niveau gehalten, was zum Teil auch an dem nicht allzu großen Umfang von Duck Tales liegt: Ein paar Levels mehr hätten dem Modul wirklich nicht geschadet, was dazu führt, dass man das Abenteuer mit den Ducks viel zu schnell hinter sich gebracht hat.



Seppatoni
Duck Tales war damals nach dem 3-in-1er Modul mein zweites NES-Game. Nach dem Antesten auf einer M82-Station wusste ich, dass ich dieses Spiel unbedingt zum Geburtstag haben musste :) Das Spiel selber ist ein witziges und technisch hochwertiges Game, mit einem durchdachten Leveldesign, welches einem zahlreiche Möglichkeiten offenbart, die Welt zu absolvieren. Dabei orientiert sich das Spiel eng an der Cartoon-Vorlage und ist nicht nur für Disney-Fans ein Pflichtkauf. Wer Jump 'n' Runs mag, ist mit diesem Game wirklich bestens beraten!



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